Gefahrgutunfall

Großaufgebot an Rettungskräften bei Gefahrgutunfall in Altmoorhausen im Einsatz

Mehr als 200 Rettungskräfte aus dem gesamten Landkreis Oldenburg waren am Montagabend mit rund 38 Fahrzeugen im Gewerbegebiet Altmoorhausen im Einsatz.

Bei einem dort ansässigen Chemikalienhandel war es zu einem Unfall mit schweren Folgen gekommen. Bei Lager- und Rangierarbeiten mit einem Gabelstapler in einer der Werkshallen rutschte ein Fass mit 1000 Litern Salzsäure ab und stürzte zu Boden, wo es sofort Leck schlug. Durch die giftigen Dämpfe wurde der Gabelstaplerfahrer schwer und zwei weitere Arbeiter leicht verletzt.

Umgehend wurden um 17:47 Uhr die Freiwilligen Feuerwehren Altmoorhausen, Hude, Kirchhatten sowie der Fernmeldezug und der Gefahrgutzug des Landkreises Oldenburg alarmiert. Hinzu kamen mehrere Rettungswagen und die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des DRK Hude. Als die ersten Einsatzkräfte aus Altmoorhausen bei der Firma an der Autobahn eintrafen, war bereits das gesamte Firmengebäude stark verqualmt und giftige Dämpfe zogen über das gesamte Gelände. Sofort wurde durch den Altmoorhauser Ortsbrandmeister und Einsatzleiter Andreas Wicht die Feuerwehr Wüsting als Verstärkung nachgefordert.

 

Die Feuerwehr Altmoorhausen, die als eine der wenigen Feuerwehren im Landkreis Oldenburg über Chemiekalienschutzanzüge (CSA) und speziell darauf geschultes Personal verfügt, begann sofort mit einer Lageerkundung.

Die Kräfte der weiteren Feuerwehren sammelten sich in der Nähe auf dem Gelände eines Pflanzengroßhandels, um die weitere Vorgehensweise zu planen. 

Vorerst wurde versucht, die giftigen Dämpfe mittels Wasser niederzuschlagen, was nicht zum gewünschten Erfolg führte. Desweiteren wurde die ausgelaufene Salzsäure mit Bindemittel an einer weiteren Ausbreitung gehindert. Der schwer verletzte Mitarbeiter wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

Währenddessen wurden anliegende Firmen umgehend evakuiert, um die Menschen vor den giftigen Säuredämpfen zu schützen. Die evakuierten Personen wurden dann durch die SEG Hude betreut.

Da das Aufbringen des Bindemittels und das absaugen der vielen Liter Säure sehr mühsam und zeitraubend ist, wurden im Verlauf des Einsatzes immer weitere CSA und Träger benötigt. Nur speziell geschultes Personal darf in den Anzügen mit umluftunabhängigem Atemschutz arbeiten. Die Einsatzdauer pro Träger ist kaum länger als zwanzig Minuten, denn jeder Anzug muss nach dem Einsatz dekontaminiert werden, bevor der Träger ihn wieder abstreifen kann. Jeder CSA darf nur einmal pro Einsatz verwendet werden und muss anschließend aufwändig in der Feuerwehrtechnischen Zentrale gereinigt werden. Aufgrund dieser Tatsachen wurden die Feuerwehren Wardenburg, Wildeshausen und Ahlhorn nachalarmiert, die ebenfalls über CSA verfügen. Da aber auch diese Mittel bald ausgeschöpft waren, wurden weitere Anzüge bei den Berufsfeuerwehren Oldenburg und Delmenhorst sowie bei der Werksfeuerwehr der ExxonMobil angefordert.

 

Auch der Gefahrgutzug des Landkreises Ammerland wurde zur Unterstützung nach Altmoorhausen alarmiert.

Rund 22 Trupps a´ zwei Personen trugen im Verlauf des Einsatzes schwere Chemiekalienschutzanzüge. Hinzu kamen rund 8 Trupps, die zur Dekontamination der Anzüge ebenfalls leichte CSA tragen mussten.

Damit die evakuierten Mitarbeiter der anliegenden Firmen endlich Feierabend machen konnten, belüfteten Kräfte der Feuerwehr Kirchhatten die Gebäude um sie kurzfristig betretbar zu machen. Die Arbeiter konnten dann schnell ihr Hab und Gut an sich nehmen, die Türen schließen um den Heimweg anzutreten.

Die SEG Sandkrug wurde am späten Abend alarmiert, um die Rettungskräfte bei diesem langen und kräftezehrenden Einsatz bei frostigen Temperaturen mit Lebensmitteln und Getränken zu versorgen.

Das Aufnehmen der Salzsäure sowie der langwierige Abbau der Einsatzmittel dauerte bis iin die Nacht an. Erst gegen 3:15 Uhr war der Einsatz für alle Beteiligten beendet.

 

 

Bilder: Christian Bahrs, KPW